Die Kunst ein Arsch zu sein

und dabei bei dir zu bleiben

Eins vorweg:

Es geht mir hier nicht darum einfach so ein Arsch zu sein. Gemein zu anderen aus reiner Lust. Es geht mir vielmehr darum dann ein Arsch sein zu dürfen, wenn du dabei für dich einstehst.

Wenn du also klipp und klar sagst, dass du etwas nicht tun wirst auf die Gefahr hin dann als Arsch gesehen zu werden.

Denn willst du dir selber treu sein, führt kein Weg am "Arsch" vorbei.

Ein "Arsch" zu sein, hat viele Vorteile. Er gewährt dir die Freiheit das zu tun, zu sagen oder so zu sein, wie es für dich in Ordnung ist.

Der "Arsch" trägt viele Namen. Er kann ein Fiesling, eine Enttäuschung oder eine Zumutung sein.

Der "Arsch" zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass er Ablehnung erfährt.

Und hier sind wir genau beim Imageproblem des "Arsches" angelangt.

Niemand mag abgelehnt werden. Im Gegenteil wir ringen darum gemocht zu werden.


Wenn mich jemand einen Arsch nennt, bin ich schockiert. Ich gebe es zu. Denn ich bin seit Kindesbeinen darauf geeicht als lieb wahrgenommen zu werden. Mein Streben war stets danach ausgerichtet, dass andere mich mögen. Mir nun plötzlich zu erlauben ein Arsch zu sein, ist ein großer Sprung. Ein Sprung in die Freiheit. Denn je mehr ich mich damit befasse, desto interessanter wird diese Perspektive für mich.


Dein Wohlbefinden vor meinem Wohlbefinden

Ich gerate nämlich immer wieder in einen leicht panischen Zustand, wenn ich merke, dass jemand anderer mich nicht mag. Mit dem, was ich sage oder tue oder wie ich bin, nicht einverstanden ist. Und anstatt dann zu mir zu stehen und zu sagen, hey, das ist dein Problem, nehme ich das überaus ernst. Ich habe sogar das Gefühl, dass ich mich in diesen Situationen von mir selbst löse, mich von mir trenne und in die Fußstapfen des anderen trete. Ich sage mir dann selber all die Dinge, die der andere über mich sagt oder denkt: "Du bist eine Enttäuschung! Du bist arrogant! Du bist unmöglich! Dich kann man so einfach nicht mögen! Was bildest du dir ein! So kommst du nie weiter!"

Ich bin dann in einem Konflikt mit mir selber, denn ein Teil von mir weiß, dass ich trotzdem liebenswert und okay bin, während der andere Teil mich fertig macht. Dieser Kampf ist anstrengend, mühsam und macht mich fertig. Und er trennt mich von mir selber. Er trennt mich sogar soweit von mir, dass mir das Wohlbefinden des anderen wichtiger ist als meins. Ich tue dann Dinge, die den anderen besänftigen, mit mir versöhnen und mich wieder in den Zustand des Gemocht-werdens bringen. Der Zustand ist mir erstaunlicherweise mehr wert, als das was ich gerade brauche. Oder anders: ich brauche es mehr gemocht zu werden als alles andere.

Die diesem Verhalten zugrunde liegende Essenz ist also der Zwang gemocht zu werden.


Der Zwang gemocht zu werden

Der Zwang gemocht zu werden, ist die Basis des Übels oder meines Konfliktes.

Wenn ich jetzt einen Perspektivenwechsel mache und das genaue Gegenteil betrachte, was wäre dann? Was wäre, würde ich mir erlauben nicht gemocht zu werden. Es passiert ja schließlich sowieso immer wieder. Was wäre, würde ich mir erlauben halt für jemand anderen "der Arsch" zu sein. Ein Mensch, der enttäuscht, egoistisch ist und Schuld an allen hat. Jemand, den die anderen peinlich und unmöglich finden. Aber dafür zu mir zu stehen. Zu meiner Meinung und meinem Tun. Selbstliebe halt.

Sehe ich das nun aus der Perspektive, dass ich nicht gemocht werden muss, ist es halb so wild.

Dann halten sie mich also für einen Arsch. Solange ich bei mir bleibe, ist das für mich in Ordnung.

So what!

Das Leben als Arsch

Die Kunst der Arsch zu sein und damit umgehen zu können, ist also eng verwoben mit dem Loslösen vom Zwang geliebt zu werden. Löse ich mich von diesem Zwang und erlaube es mir auch unbeliebt zu sein, schenke ich mir eine Freiheit.

Damit erlaube ich gleichsam anderen mich scheiße zu finden, bleibe aber bei mir.

Ich erlaube mir gleichsam so richtig scheiße zu sein eben um bei mir zu bleiben - authentisch. Das erlaubt Freiheit auf beiden Seiten.

Habe ich diese Fähigkeit verinnerlicht, so macht es mir nichts aus verachtet, gehasst oder abgelehnt zu werden. Was für eine Wirkung hätten dann shitstorms, mobbing oder sonstige Angriffe auf mich? Muss ich es dann noch persönlich nehmen, oder kann ich es einfach zur Kenntnis nehmen, ohne mich als Opfer zu fühlen?


Dualität und Einheit

Im Grunde ist dies eine Frage der Dualität und des Eins-Seins. Nehme ich beide Seiten an, also gemocht und nicht gemocht zu werden, dann löst sich die Dualität auf. Balance findet statt und erlaubt damit die Transformation zur Einheit. Erlaube ich beides gleichermaßen beliebt und unbeliebt zu sein, kann ich bei mir bleiben und muss nicht krampfhaft nach dem einen streben.

Ich mag mich nicht mehr für die Liebe und Anerkennung anderer verbiegen oder verleugnen.

Ich stehe zu mir, ob als Arsch oder als Engel. Das befreit!

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