Gelassen den Schulalltag bestreiten

Es geht wieder los! Die Schule hat begonnen und damit beginnen wieder bei vielen Schülern die Probleme in der Schule.

Auch bei uns machen sich schon die ersten Reibereien in unserer Mama – Kind Beziehung bemerkbar. Und wie immer geht es dabei um die Schule. Darum am Ball zu bleiben, gleich von Anfang an mitlernen. Wie jedes Jahr ist mein Kind voll motiviert und zumindest verbal sichert er mir seine uneingeschränkte Lernwilligkeit zu. „Dieses Jahr Mama, wirst sehen, bin ich voll dabei!“ Ich bin selig. Endlich des mahnenden Tonfalls und des erhobenen Zeigefingers entbunden, sehe ich einem gelassenen Schuljahr entgegen. Harmonisch mit meinem Sohn – es fühlt sich fast wie Urlaub mit einem Strawberry Daiquiri in der Hand an.

Die Ernüchterung kommt natürlich schon am Tag 2. „Ich mag das aber jetzt nicht machen, ich mach das morgen“, mault er mich an und fügt ein genervtes „Nerv mich nicht!“ hinterher. Schade, aber es war absehbar.

Ganz einfach aus dem Grund, weil sich mein Sohn, so wie jedes Kind und jeder Erwachsener, ein Vermeidungsstrategie zugelegt hat, in dem er Schmerz umgehen kann. Ihn schmerzt es etwas nicht zu können, er sieht sich dann als minderwertig, dumm, nicht wert da zu sein. Seine gewählte Strategie ist also die, gar nicht erst in diese Lage zu kommen. Sprich gar nicht erst zu Lernen. Denn entweder gibt es schon beim Lernen Hürden („Ich versteh das nicht!“) oder dann bei der Wiederholung, dem Test oder der Schularbeit. Wenn er nichts lernt, dann tut es auch nicht weh, wenn er nichts kann.

Das kann man nicht nur aufs Lernen anwenden, sondern auf alle Bereiche des Lebens. Auf den Sport, wenn es nicht sofort geht, lass ich es lieber gleich bleiben, auf Beziehungen, wenn sie zu mühsam werden, lass ich es auch lieber und so weiter und so fort…


Die Schuldzuweisung beginnt

Ich kann natürlich den Lehrern die Schuld zuschieben. Die erklären das nicht gut genug, oder sie sind zu fad – Bringt nichts ist unveränderbar außer man wechselt Klasse oder Schule. Aber wer weiß, wie es dort sein wird….

Ich kann mir die Schuld zuschreiben. Ich bin eine schlechte Mutter, ich nerve nur, ich bin unfähig ihm zu helfen. Habe ich gemacht – fühlt sich Scheiße an und bringt auch keine Veränderung.

Ich kann es auf Gott oder das Universum schieben: Wieso ist Gott so ungerecht, das Schicksal so hart mit uns…..hmmmm

Ich kann es auf die Gesellschaft und das Schulsystem schieben. Das Schulsystem ist veraltet. Mein Kind ist ein Genie, aber das System kommt dem nicht entgegen.

Egal wem ich die Schuld zuschieben will, ändern tut sich nichts. Und in Wahrheit entferne ich mich nur von mir selber, denn bei wem bin ich denn in Gedanken, wenn ich dem Lehrer die Schuld zuweise – bei ihm oder bei mir?

Was also tun?

Es ist nicht wichtig den Grund der Vermeidungsstrategie (des Versagens/der Angst/des Widerwillens etc.) zu eruieren, sondern die Reaktion in der Situation. Denn die eigene Reaktion kann man verändern, äußere Umstände eher schwer.

Die Situation:

Immer wenn Sohn lernen soll, verschiebt er es.

Die Reaktion:

Lustlos werden, ablenken (u-tube schauen), beschimpfen von Mama, grantig, besserwisserisch, stur und hart

Der Kopf fühlt sich voll an, nichts kann aufgenommen werden. Die Haltung ist angespannt, der Nacken nach vorn gestreckt. Der Bauch gehalten.

Sätze im Kopf: Nie mach ich es ihr Recht, sie nervt mich, lasst mich doch alle in Ruh

Selbstbild: ich kann das eh nicht, ich bin zu dumm

Der Gewinn, den diese Reaktion birgt:

Er muss nicht lernen, kann sich in der Komfortzone, des sowieso „Dummen“ ausruhen. Er muss nicht spüren, dass es ihm weh tut zu versagen. Er macht sich unangreifbar.

Der Verlust, den diese Reaktion bringt:

Er kann sich den Lernstoff nicht einprägen und gilt damit wirklich als dumm. Er wird unangreifbar, was die Beziehung in der Familie trübt. Er verliert an Selbstbewußtsein und Selbstwert.


Hacks zum Stoppen dieses Musters


#1 Aufmerksamkeit steigern

Die Reaktion in der Situation bewusst wahrnehmen:

  1. Körperliche Reaktionen: Angespannter Hals -leicht vorgeschoben, Mundwinkel ziehen nach unten, halten des Bauches.

  2. Emotionale Reaktionen: grantig sein, hilflos, in die Enge getrieben fühlen

  3. Mentale Reaktionen: Ich bin eh zu dumm (Selbstbild), ich werde das nie können (Selbstherabsetzung), meine Mama ist so gemein (Schuldzuweisung im Außen-Opferhaltung), die anderen sind alle besser (Wertung/Vergleich);

Hat man die Aufmerksamkeit auf die verschiedenen Ebene seiner Reaktion einmal bemerkt, so kann man auch wieder aussteigen. Um die Aufmerksamkeit zu trainieren, kann man immer wieder reinspüren. In der Situation selbst oder in Gedanken daran. Man kann sie auch verstärken, vor allem die körperliche Reaktion, um sie besser spüren zu können.

#2 Den Zustand annehmen

Ja es fühlt sich gerade wie ein Angriff an, ich spüre, dass ich von ganzen Herzen nicht lernen will, meine Mama nervt gerade total und ich bin grantig.

Nimm an, was gerade ist. Damit gibst du dem was da ist Raum, es darf gesehen und anerkannt werden. Es bekommt keine Wertung. Es ist was und wie es gerade ist.

#3 Loslassen und spüren ohne Reaktion

Lass deine Anspannungen, deine Sätze, dein Selbstbild, deinen Grant, deinen Widerstand los und atme tief und voll. Spüre was sich verändert, ob sich etwas verändert und lass das da sein was gerade da ist. Wenn erst recht Wut hochkommt – spüre sie ohne Bewertung und ohne Ziel. Wenn Schmerz spürbar wird – spüre ihn ohne Selbstmitleid oder Abwehr. Das macht dich stark. Es stärkt dein Selbstvertrauen und bringt dich wieder zu Dir zurück.

Das muss geübt werden, immer und immer wieder. In meinen Sitzungen lerne ich genau diesen Vorgang: spüren was gerade ist, annehmen, loslassen, spüren ohne Reaktion. Je öfter der Körper merkt, dass die Ausweichstrategie nicht notwendig ist, je öfter man durch seine Angst, seinen Schmerz, sein Schamgefühl gegangen ist, desto mehr Selbstvertrauen bekommt man, dass man viele Situationen gelassen bewältigen kann. Es sind Erfahrungsinseln, die sich im Körper manifestieren. Man braucht sie so oft, bis man wieder „Land“ – festen Boden unter den Füßen hat.

Und dabei unterstütze ich den, der wieder Land unter seinen Füssen bekommen will, gerne in meinen Einzelsitzungen.

#Kind #Lernprobleme #Schulalltag #Schulprobleme

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Sandra Abheiter-Nistelberger

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