Gelassener Umgang mit Feedback

....von der Kunst nicht beleidigt zu sein.

Woran liegt es, dass kaum jemand gut mit Feedback umgehen kann?

Mit dem Feedback ist das so eine Sache. Oft fragt man gar nicht danach und bekommt es trotzdem. Meist in einer Qualität, die einem gestohlen bleiben kann. Man fühlt sich angegriffen und beleidigt, als ob jemand eine Grenze überschritten hätte.

Woran liegt das? Es liegt daran, dass die meisten Menschen kein "richtiges" Feedback geben können. Sie verwechseln Feedback - das Zurück-"füttern" mit Inhalten - um mit einer Bewertung also quasi einem "judgmentback".

Das liegt an unserer Geschichte. Wir haben früh gelernt uns anhand der Wertung aus dem Außen zu definieren und zu sehen. Waren wir lustig, schnell, gescheit, lieb dann hat uns das Außen gelobt und positiv gewertet. Waren wir zornig, unangenehm, zu neugierig, dann wurden wir negativ bewertet. Weiter ging es in der Schule, deren Nummer 1 Instrumentarium die Bewertung ist. Das Außen war unser Spiegelbild, anhand dessen wir entdecken konnten, wer wir sind.


Das Wesen des Feedbacks

Das Wesen des Feedbacks besteht nicht aus einer Bewertung. Es ist viel mehr das Zurückfüttern mit Informationen. Ob man etwas verstanden hat, ob eine Anweisung leicht zu befolgen war, welche Erkenntnisse selber gewonnen wurden. Du bekommst also Informationen, die du verwenden kannst, wenn du dies möchtest. Wenn sie für dich stimmig sind, um etwas zu verändern. Aber es geht nie und nimmer darum dein Wesen zu bewerten. Vielleicht deine Reaktionen, deine Klarheit etwas zu vermitteln - es sind quasi Schrauben, die du lockern, anziehen oder tauschen kannst. Du bekommst Informationen und einen Handlungsspielraum.


Bewertung

"Das hast du gut gemacht! Das habe ich gemocht! Die Übung war besser als die andere."

Das ist kein Feedback, sondern eine klare Wertung. Eine Wertung gibt nur eine Information: ob ich/die Situation/das Produkt/die Handlung jemanden gefallen hat oder nicht. Sie ist im Gegensatz zum Feedback wie die Entscheidungsfrage: ja oder nein.

Das Wesen der Bewertung ist die Feststellung eines Wertes. Sie hat etwas Kategorisches an sich, etwas Einschränkendes: schmeckt oder schmeckt nicht, gefällt oder gefällt nicht. Sie lässt keine Optionen offen. Was machen wir nun mit einer Wertung? Eine Wertung kann man brauchen um eine Tendenz, eine Vorliebe bei den anderen zu eruieren. Aber es bringt keine Informationen - keinen Feed.


Was macht die Bewertung mit uns?

Eine Bewertung drückt uns die Meinung bzw. Einstellung einer anderen Person auf. Diese schwingt sich oft hoch zum Lehrer, Meister oder Experten, also hierarchisch eine Ebene höher. Diese Position erlaubt ihm eine Bewertung abzugeben. Und hierin steckt bereits die Wurzel des Übels.

Wer mag schon bewertet werden? Wer mag es, dass sich jemand anderer anmasst sich als Richter über einen zu stellen, um ein "placet" oder "non placet" auszusprechen. Hier werden Grenzen überschritten.

"Wozu dient eine Bewertung sonst als Hierarchien zu etablieren?"

Bekommen wir eine positive Bewertung, stimmt uns das positiv. Wir fühlen uns im Außen anerkannt, als "wert" empfunden. Juchuhhh- die im Außen haben endlich erkannt, dass ich etwas wert bin. Das erstaunt und erfreut umso mehr, je weniger Selbstwert wir besitzen.

Kommt nun aber eine Abwertung, dann sind wir am Boden zerstört. Das von dem wir dachten, das wir seien, wissen oder können, kommt nicht an. Wir glauben dem Außen, dass es uns richtig wiederspiegelt. Der falsche Rückschluss, den wir daraus ziehen, ist der, dass wir dadurch selbst nichts wert sind.


Eine Frage des Selbstwertes?

Bin ich mir meines Wertes bewusst, dann brauche ich keine Bewertung durch andere. Ich brauche keinen Spiegel im Außen durch den ich mich sehen und spüren kann. Ich spüre mich selber. Als die Person, die ich bin. Ich muss auch niemanden abwerten, damit ich mich besser fühle.

Ich bin ich - in der Art wie ich bin, wie ich mich ausdrücke, wie ich handle und wie ich aussehe. Ich bin wer ich bin. Ich tue was ich tue.


Warum nehme ich eine Bewertung persönlich?

Wieso nervt mich eine Bewertung so und wieso nehme ich sie so persönlich? Weil sie tatsächlich persönlich ist. Weil sie tatsächlich dein Können (Stichwort Schule), dein Wissen, dein Aussehen und vieles mehr bewertet. Weil sie auch ein Machtinstrumentarium ist und Hierarchien etabliert.

Aber hier bedarf es nun einen Perspektivenwechsel:

Wir nehmen diese Bewertung nur deswegen so persönlich, weil wir glauben, dass uns unser Wissen, Können und Aussehen ausmacht. Wir identifizieren uns mit diesen Inhalten und Aussagen über uns.

Die Frage ist die: Bist du in Wirklichkeit nur die Person, deren Identität durch ihr Können, Wissen, Aussehen usw. definiert ist oder bist du in Wahrheit einfach nur du, die/der nebenbei auch ein gewisses Können, Wissen und Aussehen mitbringt.

Glaubst du, dass du die Person bist, die aus deinen angesammelten Attributen besteht, dann nimmst du eine Bewertung persönlich.

Bist du dir deiner Selbst bewusst und identifizierst dich nicht mit diesen Attributen, die dich vermeintlich ausmachen, dann perlt eine Bewertung von dir ab. Weil du weißt was du jenseits von Aussehen, Wissen und Können einen Wert hast - von Wert bist. Du bist detached von deiner Geschichte über dich.


Einmal Selbstwert bitte!

Wo ist er denn nun unser Selbstwert? Im Laufe des Lebens befüllen wir unser ICH mit vielen Überzeugungen und Gedanken über uns. Ich bin die, die schnell lernt, die aber schnell zornig wird. Ich bin die, die ungeduldig ist und die, die manchmal sehr lustig sein kann. Ich bin die, die viel weiß und die, die recht hübsch ist. Woher ich das weiß? Weil andere es mir gesagt haben. Meine Mama, meine Lehrer, meine Freunde. Natürlich bin ich all das, aber ich bin auch noch viel mehr. Und manchmal bin ich geduldig wie ein Lamm. Denn alle Qualitäten sind in uns angelegt. Nur haben wir das vergessen, wir haben vergessen wer wir wirklich sind.

Unser vermeintliches ICH ist eine Fülle von Geschichten und Rollen, an die wir glauben.

Das angenehme an diesen Rollen, die wir übernehmen, ist die Sicherheit, die sie uns zu gewähren scheinen. Ich brauch nur immer vermeiden zornig zu sein, dann hat man mich lieb. Bin ich immer lustig detto - ich bin also safe. Das hält uns in diesen Rollen und in der Abhängigkeit der Bewertung anderer.


Ausstieg aus der Bewertung - geht das?

Mir selbst wert sein

Bin ich mir selbst meiner Wertigkeit bewusst, dann brauche ich keine Wertung vom Außen. Dann bin ich mir meiner Selbst bewusst. Jeder ist einzigartig in seiner Art zu sein, zu handeln und zu denken. Wie schön wäre es, wenn das jeder in sich erkennen könnte. Dann gäbe es nicht ständig Menschen, die glauben sich verstellen zu müssen, um von anderen für wert befunden zu werden.

Dann könnten wir in aller Freiheit die Person sein, die wir gerade im Moment sind. Und die ist in jedem Moment anders. Ja, wir sind dann nicht mehr berechenbar. Das nimmt Sicherheit, aber es eröffnet Raum für Neues. Wir brauchen uns also nur von unserer Geschichte über uns distanzieren, sie nicht mehr ernst nehmen, als das wahrnehmen was sie ist nur eine Geschichte.


Back zum Feedback

Aus meiner Sicht sind Bewertungen verzichtbar. Sie stellen entweder jemanden auf ein Podest oder sie schubsen einen davon herunter. Es geht immer um Hierarchien. Bin ich mir meines Selbstwertes bewusst, wird eine Bewertung in mir nichts mehr auslösen. Im Gegenteil, sie wird mir Aufschluss über die Haltung des Bewertenden geben.

Schaue ich aber mit Neugierde darauf, was etwas mit mir macht, dann kann man wertvolles Feedback geben und bekommen.

Wenn mir ein Klient sagt, dass eine Übung gut war für ihn, kann ich nichts damit anfangen. Sagt er mir aber was die Übung in ihm ausgelöst hat, wie er sie nutzen konnte, woran die Schwierigkeit lag, dann kann ich damit etwas anfangen. Das war ein Feedback - ich wurde mit Informationen gefüttert.

Sagt mir jemand, dass ich nervig bin, kann ich nichts damit anfangen. Sagt er aber, dass ich ihn mit vielen Fragen bombardiere und er das nicht mag. Dann kann ich damit etwas anfangen. Ich muss nichts verändern, aber ich bekomme genug "Feed", um es tun zu können.


Wie gibt man nun am besten Feedback?

Am besten gibst du Feedback, indem du neugierig beobachtest und spürst, was zum Beispiel ein Mitarbeiter macht. Wie er seine Arbeit erledigt. Schaust du nur auf gut oder schlecht, übersiehst du Potentiale und handelst dir einen beleidigten Mitarbeiter ein. Schaust du genau hin, kannst du analysieren, was in ihm steckt und was nicht. Bekommt er so ein Feedback, kann er damit etwas verändern. Verstehst du den springenden Punkt?

Bewertung sieht nur gut oder schlecht - ja oder nein.

Feedback zeigt Potentiale auf - es ist wie eine Ergänzungsfrage und keine Entscheidungsfrage.



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Sandra Abheiter-Nistelberger

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